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25.11.2008
Armenien und Georgien gewinnen Gold
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25.11.2008
Pressekonferenz armenische Mannschaft
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25.11.2008
Pressekonferenz deutsche Mannschaft
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Fazit nach dem dritten Spieltag

Dresden, 15/11/2008

Nach der dritten Runde der Schacholympiade in Dresden liegen neun Mannschaften verlustpunktfrei an der Spitze, wobei Titelverteidiger Armenien wegen der besten Zweitwertung als Tabellenführer gelistet wird. Erfreulich aus hiesiger Sicht ist das bisherige Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft, die zur Spitzengruppe gehört.



Paarungssystem
Wegen des ungewöhnlichen Auslosungssystems in den ersten Runden kam es teilweise zu etwas seltsamen Paarungen. So musste Armenien in der dritten Runde gegen die Färöer Inseln ran, die immerhin drei Titelträger aufboten, beim 0:4 aber keine Chance hatten, genauso wenig wie Malaysia, die gegen die bis dato souverän auftretende deutsche Mannschaft klar den Kürzeren zog, Naiditsch und Co. gewannen 3,5:0,5.
Noch erstaunlicher - wegen des krassen Spielstärkeunterschieds – waren aber die Paarungen Japan-Rumänien und England-Malta. Während die Briten locker mit 4:0 siegten, verlor der rumänische Großmeister Levente Vajda an Brett vier gegen den über 400 Punkte leichteren Tomu Sanu, der für das Team aus dem fernen Osten beim 1:3 damit den Ehrentreffer erzielte.

Die Favos
Gold-Favorit Russland holte heute zum ersten Mal in Dresden den Bären raus und fegte Kuba klar mit 3,5:0,5 von den Brettern. Das interessante Duell zwischen Wladimir Kramnik und dem aktuellen Blitzschachweltmeister Leinier Dominguez endete als einzige Partie Remis. Ukraine musste hart kämpfen, Iwantschuk verlor gegen Jobava an Eins, konnte die starken Georgier letztendlich aber mit 2,5:1,5 besiegen. Ein herben Dämpfer mussten die hoch gehandelten Chinesen einstecken. Kjetil Lie sorgte durch seinen überraschenden Sieg gegen Xiangzhi Bu für den knappen 2,5:1,5 Sieg der Norweger gegen die Männer aus dem Reich der Mitte. Die Spitzenpaarung Yue Wang-Carlsen endete Remis.
Loek van Wely sorgte nach Meinung vieler Anwesender für die Partie des Tages. Er gewann sehenswert gegen Teimour Radjabov und sicherte seinem holländischen Team ein 2:2 gegen die starken Aserbaidschaner, die immerhin drei Spieler mit Elo über 2700 in ihren Reihen haben. Ungarn mit den Topspielern Leko und Judit Polgar zeigte ein erstes Zeichen von Stärke und besiegte die Tschechen erstaunlich deutlich 3,5:0,5

In der vierten Runde kommt es nun ausnahmslos zu Spitzenbegegnungen an den vorderen Tischen. Ukraine-Armenien, Spanien-Deutschland und Russland-Indien lauten die interessantesten Paarungen.

Ergebnisse der dritten Runde
Tabelle nach der dritten Runde
Paarungen der vierten Runde

Die Damen
Bei den Damen liegen sechs Teams verlustpunktfrei an der Spitze, darunter auch mit China einer der Top Favoriten. Russland leistete sich heute ein 2:2 gegen Indien, das sogar etwas glücklich zu Stande kam, denn beim Stand von 1:2 konnte Nadezhda Kosintseva ein eher schlechteres Endspiel gegen ihre Gegnerin noch zum Sieg führen. Die deutsche Mannschaft kam ihrer Pflicht nach und siegte gegen El Salvador mit 3:1.
Auch bei den Damen kamen durch das Auslosungssystem einige kuriose Paarungen zu Stande, wodurch an den vorderen Tischen zahlreiche 4:0 Siege zu bewundern waren. Es gibt aber auch Überraschungen zu vermelden: Südafrika schaffte ein 2:2 gegen Lettland und Guatemala siegte sogar gegen Kroatien mit 2,5:1,5.
In der vierten Runde sind die Spitzenteams aber unter sich und so langsam wird sich auch bei den Frauen die Spreu vom Weizen trennen.

Ergebnisse der dritten Runde
Tabelle nach der dritten Runde
Paarungen der vierten Runde

Kurioses am Rande
„Da ist nur ein Spieler gekommen. Ich glaube er wollte mit uns Simultan spielen“, witzelte der lettische Großmeister Normunds Miezis kurz nach 15 Uhr. Was war passiert? An Tisch 61 im Open verlor Uganda gegen Lettland 0:4, da mit Steven Male Kawuma nur ein Spieler pünktlich am Brett saß. Sein Bruder Moses Kawuma hielt sich derweil in der Botschaft auf und allein durfte Steven Male natürlich nicht ran. Und was war mit den zwei anderen Spielern? Die sind gar nicht in Dresden! Deswegen war wohl Moses beim Konsulat. Erstaunlich ist, dass die beiden in der ersten Runde mit 1,5:2,5 gegen Malawi die Niederlage in Grenzen hielten und San Marino in der zweiten Runde ein 2:2 abtrotzten.

Beim gesamten Team aus Sambia gab es Einreiseprobleme, die dazu führten, dass ein dezimierter Kader in Dresden antritt. Die Männer spielen zu zweit und offensichtlich scheint nur eine Frau vor Ort zu sein. In der zweiten Runde verlor Sambia bei den Damen dadurch kampflos. Die Leidtragende Mtine Joy wollte in der dritten Runde wenigstens den Männern behilflich sein und ließ sich aufstellen. Da dies natürlich nicht den Regeln entspricht, wurde sie direkt genullt. Mal schauen, was Mtine nun mit ihrer vielen Freizeit in Dresden anfangen wird, falls aus Sambia keine weitere Verstärkung anrückt.

Insgesamt gab es bis dato nur drei Partien, in denen das Zuspätkommen eines Spielers zum sofortigen Verlust führte. Nachdem in der ersten Runde wohl ein Auge zugedrückt wurde, musste in der zweiten Runde eine Dame und in der dritten Runde sowohl eine Dame als auch ein Herr direkt den Rückzug antreten. Es hat sich wohl nicht um hochrangige Spieler gehandelt, sonst wäre das Geschrei wohl schon groß gewesen.

Georgios Souleidis

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