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Das Model und der Spieler

Dresden, 17/11/2008

Mira Dedijer ist 24 Jahre alt, spielt am dritten Brett von Bosnien und Herzegowina und nach Turin 2006 ihre zweite Olympiade. Sie ist sicher eine der auffälligsten Erscheinungen der diesjährigen Veranstaltung.
Großmeister Borki Predojevic ist 21 Jahre alt und spielt an Brett zwei des bosnischen Männerteams. Er lebt in Sarajevo und Teslic, wo noch seine Eltern wohnen.



Peter Dengler: Mira, wie groß bist du eigentlich?

Mira Dedijer: Ungefähr ein Meter achtzig.


PD: Haben bei dir nur Männer eine Chance, die größer sind als du?


MD: (lacht) Ja!


PD: Was studierst du?


MD: Ich studiere Bauingenieurwesen in Novi Sad in Serbien.


PD: Willst du nach Ende deines Studiums ins Ausland gehen?


MD: Nein, der aktuelle Plan ist in Serbien zu bleiben. Glücklicherweise habe ich mir einen Studiengang ausgesucht, mit dessen Abschlusstitel ich mich bei der Jobsuche leicht tue. Momentan wird in Serbien sehr viel gebaut und Bauingenieure finden im allgemeinen leicht einen Job.


PD: Wo hast du so gut Englisch gelernt?

MD: In der Schule!


PD: Hast du auch viele internationale Turniere gespielt?

MD: Nicht so viele. – (der zufällig daneben stehende Borki Predojevic erinnert sie an ein paar…) Hmm, doch einige: Europameisterschaften unter 16, unter 18 und unter 20, Jugendweltmeisterschaften unter 18 und unter 20.


PD: Aha, doch nicht so wenige. Vladislav Tkachiev hat uns vor ein paar Tagen auf der Pressekonferenz gesagt, dass Schach ein paar Superstars benötigt, die die Masse begeistern können. So wie es Alexandra Kosteniuk mit ihrem Modelling neben der Schachkarriere versucht hat. Ich denke, du bist eine geeignete Kandidation?


MD: Ich bin tatsächlich letztes Jahr mal in Belgrad als Model aufgetreten. Bei einer Modenschau. Sie wollten mich auch für weitere Auftritte verpflichten, aber ich habe abgelehnt, weil ich für mein Studium lernen musste. Jetzt habe ich wieder mehr Zeit und ich werde mir überlegen, ob ich weitermache, wenn sie mich noch einmal fragen.


PD: Betreibst du noch andere Sportarten?


MD: Als ich neun Jahre alt war, habe ich Karate gemacht und da auch den grünen Gürtel bekommen. Aber das will ich nicht wiederbeleben.


PD: Trägst du demnächst einen Ehering?

MD: (sehr bestimmt:) Nein!

(Die anderen Bosnier lachen. Borki: Sie sagt das immer, selbst wenn sie einen Freund hat)

 

 

Peter Dengler: So Borki, jetzt bist du dran! Bist du Schachprofi?


Borki Predojevic:Ja.


PD:Hast du auch dieses fast schon typische Schachspielerprofil, zum Beispiel, dass du auch Poker spielst?


BP:Nein, aber ich bin ein großer Fan von Pro Evolution Soccer, da mache ich sogar bei der Weltmeisterschaft mit.


PD:Hat sich deine Elozahl in den letzten Jahren konstant verbessert?


BP:Ich habe kürlich ein bißchen verloren. Meine beste Wertungszahl war 2651, jetzt bin ich bei 2615.


PD: Warum können 14-jährige wie Hou Yifan aus China auf dem gleichen Niveau mit angesehenen Großmeistern mithalten, die zwanzigjährige Erfahrung haben?


BP:Erfahrung führt manchmal auch zu Faulheit in der Form, dass man sich nur auf die erfahrung verlässt. Heutzutage hat jeder mit dem Internet nahezu die gleichen Voraussetzungen. Vor zwanzig Jahren hat das Talent eine viel größere Rolle gespielt.


PD: Mit wem arbeitest du schachlich? Gibt es irgendwelche Spieler, deren Stil dir gefällt?


BP: Manchmal arbeite ich mit Viktor Bologan.
Im Jahr 2005 habe ich auch mit Ivan Sokolov gearbeitet, aber der konzentriert sich jetzt auf seine “Sokolov Real Estate” Brokerfirma für Immobilien. Meine Lieblingsspieler waren Kasparov und Shirov. Jetzt habe ich gegen Shirov schon dreimal gespielt, auch gerade vor ein paar Tagen hier bei der Olympiade! Heute gefällt mir vor allem das Spiel von Magnus Carlsen aus Norwegen und Wang Yue aus China.


PD: Was hältst du von den neuen Regeln wie “kein Remis vor dem 30. Zug”?


BP: In gewisser Weise ist es interessant: Wenn ich gegen sehr starke Gegner gespielt habe und die sind in einer Partie in eine für sie unangenehme Position geraten, dann haben sie Remis geboten und ich musste es wohl oder übel annehmen. Jetzt können sie nicht mehr vor dem 30. Zug Remis bieten und müssen die kritische Position weiterspielen – das ist schon sehr interessant! Allerdings kann ich mich mit der Bestrafung durch Partieverlust bei Zuspätkommen nicht anfreunden – man war schon durch den eigenen Zeitverlust genug bestraft!

 

Peter Dengler

 

Der Autor dieses Artikels arbeitet als Volunteer bei der deisjährigen Schacholympiade in Dresden. Als Amateurspieler mit einer Wertungszahl um 2250 nutzt er die Chance sich mit der Schachwelt zu treffen, Informationen aus unterschiedlichen Mannschaften zu sammeln, die tägliche Pressekonferenz zu organiseren und das Material für die Veröffentlichung im Internet und dem täglichen Olympiadebrief schriftlich festzuhalten.

 

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