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Pressekonferenzen siebter Spieltag

Dresden, 20/11/2008

Statt des üblichen Termins um 18:30 Uhr wurde zunächst eine separate Pressekonferenz mit Veselin Topalovs Manager Silvio Danailov anberaumt. Anschließend wurde ebenfalls getrennt der Vertreter Gata Kamskys, Großmeister Emil Sutovsky, befragt.



Der Bericht zur Pressekonferenz mit Danailov und Sutovsky kann auf der englischen Seite nachgelesen werden.

 

Im Anschluss begrüßte Susan Polgar Philipp Roeder als Teamleiter eines der zahlreichen Volunteerteams bei der Schacholympiade.

 

 

„Die Volunteers kommen aus vielen Städten Deutschlands und sogar aus Österreich. Die meisten haben Urlaub genommen“ meinte der Dresdner. „Manche sagen sogar, dass die Volunteers das wichtigste Rädchen im Gesamtwerk sind“: Susan Polgar ergänzte: „Einer hat mir sogar erzählt, dass ihn das Ganze über 1000 Euro kosten wird, weil er die Unterkunft selbst bezahlen muss“.

Aus der ersten deutschen Mannschaft wurde Jan Gustafsson aufs Podium geladen. In perfektem Englisch zeigte er sich wohlgelaunt: „Wir haben natürlich keinen Grund zur Klage. Heute gewinnen wir gegen Rumänien, dann haben wir bisher nur die beiden Unentschieden gegen Russland und die Ukraine zu verkraften. Momentan haben wir es auch verdient auf der Bühne zu spielen, was vielleicht ein bisschen komisch wäre, wenn wir an Tisch 37 spielen müssten (Anm.:Deutschland A spielt immer auf der Bühne)“. Ob auch die „Chemie“ in der Mannschaft stimme wollte Susan weiter wissen.

 

 

„Ich würde sagen, je besser es läuft, desto besser ist auch die Chemie!“ Auf die Frage nach der gemeinsamen Vorbereitung verwies Jan Gustafsson auf ein Trainingslager im Hotel Steigenberger in Dresden, das allen Komfort geboten habe.


Als nächstes begrüßte die Moderatorin einen Gast, den sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte: Katrin Aladjova ist FIDE-Delegierte für Australien und stammt aus Bulgarien. Sie gehört der Generation um Topalov an und erinnert sich noch gut, wie ihr Heimatland ihr nach dem Gewinn der Jugendweltmeisterschaft einen begeisterten Empfang bereitete:

 

 

„Damals gewannen Stefanowa, Topalov und ich jeweils einen Titel, da war was los am Flughafen!“. Auch ihr ist es ein besonderes Anliegen das Frauenschach in Australien zu fördern, diesen Wunsch hatte einige Tage zuvor auch schon Kieran Lyons geäußert, die für die Fidschi Inseln spielt, aber in Brisbane lebt.


Einer der jungen wilden Generation hatte ebenfalls auf dem Podium Platz genommen: Fabiano Caruana war schon einige Tage zuvar als Gast eingeladen worden, aber seine Partien endeten entweder immer viel zu früh oder zu spät. „Du hast nach fünf Partien noch kein Remis gemacht“ sprach ihn Susan Polgar auf seinen kompromisslosen Stil an.

 

 

„Naja, zwei Remis wären mir allerdings lieber als meine zwei Niederlagen gewesen. Aber mit meinen Gewinnpartien gegen Kortschnoi, Adams und auch heute gegen Emanuel Berg aus Schweden bin ich sehr zufrieden. Gestern habe ich allerdings gegen einen Spieler mit 2360 Elo mit Weiß Remis gespielt – das ist mir schon lange nicht mehr passiert.“ Caruana ist in Brooklyn/New York aufgewachsen. Er ging vor einigen Jahren nach Europa, weil dort die wichtigeren Schachturniere stattfinden und der Reisestreß auf die Dauer zu groß geworden wäre. Mit Italien, die Nation unter deren Flagge er startet verbindet ihn die Herkunft seiner Großeltern. Allerdings wohnt er nicht dort, sondern in Susan Polgar’s Heimatstadt Budapest. Mit seinen 16 Jahren konzentriert er sich 100% auf Schach, später möchte er vielleicht noch einen Schulabschluss nachholen.


Die abschließende Frage nach dem Olympiasieger-Tip beantworteten Gustafsson, Caruana und Roeder mit Russland bei den Männern und China bei den Frauen. Katrin Aladjova zeigte sich gastgeberfreundlich und tippte auf Deutschland bei den Männern und China bei den Damen.


Zur späteren Sitzung wurden das zweite Brett der chinesischen Männermannschaft, Bu Xiangzhi und Lars Andreassen, ein Vertreter der norwegischen Stadt Tromso eingeladen. Bu war mit 13 Jahren und zehn Monaten auch einmal der jüngste Großmeister der Welt. Das ist nun neun Jahre her, mittlerweile ist er ein weitgereister Sonnyboy, der sich am liebsten in Frankreich und Spanien aufhält „weil es da so viele Strände gibt“. Bei der letzten Olympiade holte China die Silbermedaille, Bu empfindet es als stressig, dass diesmal nur noch mit einem Ersatzspieler gespielt werden kann. Normalerweise bereitet sich die chinesische Mannschaft zwei bis vier Wochen auf eine Olympiade vor, „aber diesmal waren wir alle bei verschiedenen Turnieren beschäftigt“ meinte Bu. Trotzdem mischen die Chinesen ganz vorne mit, gegen die Ukraine erreichten sie vier Remis. Seine Lieblingssportart neben dem Schach ist Fußball, aber Bu spielt auch Basketball und Tischtennis.


Der Vertreter von Tromso als Bewerber für die Olympiade 2014, Lars Andreassen trat in typischr Landestracht vor die Presse. „Wir wollen unbedingt die Olympiade 2014, denn dann wird der norwegische Schachverband 100 Jahre und Norwegen als Land 200 Jahre alt.“ Tromso liegt ganz im Norden am Polarkreis. Durch den Golfstrom bleibt die Küste im Winter eisfrei. Schnee gibt es allerdings genug. „Wir planen die Olympiade für den August, da ist das Klima sehr mild“ beruhigte Andreassen all diejenigen, die sich schon auf frostige Spiele eingestellt hatten.


Sowohl Bu wie auch Andreassen verwiesen auf neue Schachbooms in ihren Ländern, sie sich sogar in TV-Übertragungen zeigen. Natürlich ist das vor allem durch Stars wie Magnus Carlsen in Norwegen und eben Bu Xiangzhi begründet. Allerdings räumte Bu ein:

 

 

„Nächsten Monate haben wir ein echtes Superturnier in China, dann werde ich vielleicht auch auf der Straße erkannt“.

Die Frage des FIDE-Delegierten aus Jamaika, wie Norwegen ärmeren Ländern im Fall einer erfolgreichen Bewerbung bei den Reiskosten helfen könne, bemerkte Andreassen:

 

 

„Es stimmt schon, wir sind ein reiches Land. Wir werden wohl auf jeden Fall die Reise der Teams aus dem Süden Norwegens, also beispielsweise von Oslo nach Tromso finanzieren. Das sind immerhin zwei Stunden Flugzeit. Im Falle von Jamaika kann ich mir zumindest vorstellen, dass wir einen Teil der Reisekosten mittragen. Wir wollen, dass die Spieler bei uns richtig Urlaub machen und könnten uns sogar einen weiteren freien Tag bei der Olympiade vorstellen. Bei uns muss man die Wellen gesehen haben, mal zum Fischen gegangen sein.“ Susan Polgar sah schon ihr Urlaubskontingent für 2014 dahinschmelzen, dankte Andreassen aber trotzdem: „Ich hoffe, ich bin dabei!“


Text: Peter Dengler
Fotos: Georgios Souleidis


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