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Deutschland sollte eines der weltstärksten Teams sein

Dresden, 23/07/2008
Russland kommt zur Schacholympiade mit einem so noch nie gesehenen Schnitt der Wertungszahlen in einem Mannschaftswettbewerb von durchschnittlich 2.750 Punkten auf alle fünf Spieler verteilt. Klaus-Jörg Lais sprach mit Vladimir Kramnik über das russische Team, die deutschen Chancen und die Vorbereitung auf die Schacholympiade.

Guten Tag Vladimir, hätten Sie ein paar Minuten Zeit für mich, um über das wichtigste Turnier des Jahres zu reden?

Freut mich, Sie kennen zu lernen. Sehr gerne, nur zu.

Steht beim Topfavoriten Nr.1 die Nominierung für Dresden schon?

Noch nicht endgültig. Ich kann aber sagen, dass wir mit dem allerbesten Team antreten, dass wir zusammenstellen können. Wir werden wohl mit mir, Morozevich, Svidler, Grischuk, Jakowenko antreten. Das war keine endgültige Aussage über die Besetzung, aber wir werden mit Sicherheit vom Rating her das stärkste Team von allen haben.

Sie haben noch etwa zwei Monate Zeit, zum 12. September muss das Team stehen. Kurz vor der Olympiade steht der Weltmeisterschaftskampf gegen Viswanathan Anand an. Ich gehe davon aus, dass beide Ereignisse gründlich vorbereitet werden. Ist es nicht etwas schwer, gleich nach der WM auch noch die Olympiade zu spielen?

Wir müssen die Situation nach dem WM-Kampf analysieren, es ist nicht an mir, dass Team zu nominieren. Aber wir reden hier von professionellem Schach, wir bereiten uns vor als Profis, spielen als Profis und in allen anderen Sportarten hat man auch harte Wettkampfwochen und es geht irgendwie doch auch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Tennis oder Fußball spielen manchmal Akteure, die sich nicht im optimalen physischen Zustand befinden und doch kommen sie zum Einsatz, weil man auf sie nicht verzichten möchte. Ich mag auch die Atmosphäre der Schacholympiaden sehr und man kann während eines solchen Turnieres auch darüber Kraft schöpfen. Man trifft Leute, die man unter Umständen schon Jahre nicht mehr gesehen hat, alte Freunde aus der Jugend, sehr nette Leute, die nun in anderen Ländern leben, mit denen man sich austauschen kann. Das ist wunderbar. Ich würde auf die Schacholympiade nie freiwillig verzichten wollen.

Vieles wird neu sein in diesem Jahr, die FIDE hat ein paar sehr interessante Änderungen auf den Weg gebracht. Ich hoffe, die Teams werden komplett um 15 Uhr an den Brettern sitzen.

Also abgesehen, dass man über die Sinnhaftigkeit streiten kann, es mag ja auch nach außen besser aussehen: Ich finde die Regel trotzdem seltsam, denn ich glaube nicht, dass sie umzusetzen ist. Wie haben wir uns das vorzustellen?

Das ist ein Turnier mit Teilnehmern im vierstelligen Bereich und wie will man das umsetzen? Ich halte das für absolut undurchsetzbar. Und wo zieht man dann die Grenze? Und würden die Schiedsrichter wirklich 10% des Teilnehmerfeldes für das nicht exakt getimte Erscheinen nullen? Ich halte das einfach nicht für machbar und ich finde nicht, dass diese Regel zum Einsatz kommen sollte, das ist nicht kontrollierbar. Ich habe kein Problem damit, aber ich halte es einfach nicht für durchsetzbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie beurteilen Sie die zweitwichtigste Neuerung, die Fischer schon vor vielen Jahren über Bord warf: Diesmal kein Remis vor dem 30. Zug?

Auch das kaum zu machen, aber damit hab ich weniger Sorgen. Wenn die FIDE das will, mache ich kein Remis vor dem 30. Zug, das ist mir egal. Aber da gibt es noch Diskussionsbedarf, weil die Regel in sich genommen schon sinnvoll ist, aber ich denke nicht, dass es eine ernsthafte Alternative zur Lösung des Problems darstellt.

Ich habe ihre Kollegen ähnlich gefragt: China produziet einen Großmeister nach dem anderen. Glauben Sie, dass China schon bald Schachweltmacht Nr. 1 wird?

Nein, das würde ich nicht unterschreiben. Auch wir Russen werden stärker, all die anderen Länder nehmen auch an Spielstärke zu und wen ich mir ein Wort zu Deutschland erlauben darf: Ich kann es kaum fassen, dass ein Land mit solch einem großen Potential an Schachspielern nicht wirklich voran kommt.

Es ist in Westeuropa das wichtigste Land im Schach. Deutschland sollte eigentlich eines der weltstärksten Teams sein, hier sind die Voraussetzungen so ideal wie in keinem anderen Land der Welt. Es ist schade, dass der deutsche Schachbund bei dieser Struktur nicht erfolgreicher ist, ich würde mir das jedenfalls sehr wünschen.

Natürlich ist China ein ernstzunehmender Konkurrent und für mich auch einer der Favoriten bei der kommenden Schacholympiade, aber asiatische und europäische Föderationen machen gleich wertvolle Schritte. Ich denke, dass die Balance noch lange Jahre halten wird. So sollte man Asien nicht überschätzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wird Russland die Schacholympiade gewinnen?

Nun, wir wollen es hoffen. Wir haben was gut zu machen, nachdem wir den Wettbewerb 11 mal in Folge gewannnen, haben wir nachgelassen. Ich selber war drei Mal unter den Siegern, aber ich würde das Turnier schon gern ein viertes Mal gewinnen. Für mich ist es jedenfalls eine große Herausforderung, die ich gerne annehme. Wir haben ein richtig starkes Team und ich glaube, dass wir kaum zu schlagen sein werden. Wenn wir in guter Verfassung sind, werden wir das auch gewinnen, ich glaube fest daran.

Aber wie schon Tarrasch sagte: „Es genügt nicht, ein guter Spieler zu sein, Du musst auch gut spielen, um zu gewinnen.“

Danke fürs Interview, Vladimir.