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Armenien und Georgien gewinnen Gold
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25.11.2008
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Armenien kaum zu stoppen

Dresden, 21/11/2008

Nach Turin 2006 schickt sich das armenische Team an zum zweiten Mal die Schacholympiade zu gewinnen. Bei den Damen steht China vor einem neuerlichen Triumph nach der Siegesserie zwischen 1998 und 2004.



In der achten Runde der Schacholympiade gewann Armenien mit 3,5:0,5 gegen Frankreich und führte jegliche Eloerwartung ad absurdum. Obwohl Frankreich zwei Plätze vor Armenien gesetzt ist, hatte es im Spitzenkampf auf der Bühne keine Chance. Die mannschaftliche Geschlossenheit der Kaukasier, die jedem Familienclan alle Ehre machen würde, scheint verantwortlich für den bisherigen Siegeszug in Dresden zu sein.

Levon Aronian quält sich in den letzten Tagen mit einer Erkältung, lässt es sich aber nicht nehmen die Stellung am Spitzenbrett zu halten. Er firmiert bei 4 aus 7 und keiner Verlustpartie, genau wie der Rest der Mannschaft. Wladimir Akopian schlug gegen Frankreich wieder zu. Gegen Maxime Vachier-Lagrave setzte er wiederholt zu einer sehenswerten Opferserie an: 18.Lh5!, 19.Lxg6! und die schwarze Stellung brach zusammen. Mit 6 aus 8 und einer Eloleistung von 2822 ist er bislang fünftbester Spieler des Turniers. Noch überragender spielt Gabriel Sargissian. In der achten Runde überspielte er mit Schwarz Laurent Fressinet und ist mit sagenhaften 7 aus 8 und einer Eloleistung von 2927 zweitbester Spieler des Turniers. Nur der Weltranglistenerste Veselin Topalov hat bisher besser gepunktet.



Tigran Petrosian


Auch Tigran Petrosian ist mit 6 aus 8 für die Siegesserie der Armenier verantwortlich. Gegen Frankreich hatte er allerdings etwas Glück, da Vladislav Tkachiev seine Stellung überzog.


Der Höhenflug der deutschen Mannschaft fand heute erstmal ein Ende. Gegen Israel verlor man 1,5:2,5. Nachdem in den Partien Khenkin-Roiz und Avrukh-Fridman die Remisbreite kaum überschritten wurde, sorgte Boris Gelfand gegen Arkadij Naiditsch für den entscheidenden Sieg am Spitzenbrett. Bei Baramdize-Postny war schon seit einer ganzen Weile abzusehen, dass das Remis unvermeidlich sein wird.


Russland meldete sich durch einen 2,5:1,5 Sieg gegen die USA im Kampf um die Medaillen zurück. In einem hochklassigen Derby besiegte Gata Kamsky in einer feinen Positionspartie Peter Svidler, Wladimir Kramnik wurde heute geschont, das blieb aber der einzige volle Zähler für die Amis. In den restlichen drei Partien wurde die russische Überlegenheit deutlich.



Alexander Grischuk


Alexander Grischuk siegte in einer tollen Kampfpartie gegen Hikaru Nakamura. Der Amerikaner opferte im Mittelspiel eine Qualität, um den weit vorgerückten d-Bauer des Gegners zu neutralisieren, doch mit schöner Technik verwertete der Russe seinen Vorteil im Endspiel. Alexander Morozevich hatte gegen Alexander Onischuk ebenfalls Vorteile, doch dessen Festung mit Turm und Läufer gegen Dame hielt stand. Den Schlusspunkt setzte Dmitry Jakovenko gegen Varuzhan Akobian, der dem Positionswirbel seines Gegners nichts entgegenzusetzen hatte.


Die Vietnamesen zeigten auch heute welche Talente in ihnen schlummern.

 


Thien Hai Dao

 

Gegen die deutlich höher eingeschätzten Chinesen erreichte man ein 2:2. Hao Wang zeigte sich gegen Thien Hai Dao schlecht vorbereitet und musste in einer scharfen Variante des Najdorf-Sizilianers eine empfindliche Schlappe einstecken: das Opfer 14.Sxe6, welches schon gespielt wurde, ist schon fragwürdig, aber 16.fxe5? führt direkt zum Verlust. Stattdessen hätte Weiß 16.The1 probieren sollen. Nach 19...Sxg6 hatte Schwarz einfach zwei Figuren mehr und Weiß gab zwei Züge später auf. Chao Li an Brett vier, er konnte Hoang Thong Tu besiegen, war es zu verdanken, dass China noch das Unentschieden rettete.

Eine schöne Überraschung gibt es von Brett 30 zu vermelden. Die Vereinigten Arabischen Emirate gewannen gegen die im Schnitt über 200 Elopunkte höher eingestuften Isländer mit 2,5:1,5. Einen schönen Sieg feierte dabei A. R. Saleh Salem an Brett Eins gegen Hannes Stefansson.


Ergebnisse der achten Runde

Tabelle nach der achten Runde

Paarungen der neunten Runde


Der Spitzenkampf bei den Damen zwischen China und Ukraine endete nach hartem Kampf 2:2, wodurch die Damen aus dem Reich der Mitte weiterhin die Tabellenführung inne haben.



Xue Zhao


Xue Zhao sorgte mit einem Start-Ziel-Sieg gegen Natalia Zhukova für die Führung, die Inna Gaponenko durch ihren Sieg gegen Wenjun Ju aber egalisieren konnte.

Die russischen Damen haben sich nach der 1:3 Niederlage gegen die USA wohl aus dem Rennen um Gold verabschiedet. Die Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk, die in Dresden nicht zu ihrer Form findet, verlor gegen Irina Krush an Brett Eins. Im Mittelspiel verirrte sich ihr Turm im gegnerischen Gefilde, wonach er zwangsläufig zum Opfer fiel. Auch das erfindungsreiche Spiel in der Folge konnte Kosteniuk nicht von der Niederlage bewahren. Auch Tatiana Kosintzeva spielt bislang weit unter Erwartung und firmiert in sieben Partien bei minus Eins. In ihrer Partie gegen Anna Zatonskih schien sie übermotiviert und opferte etwas zu viele Bauern. Die Amerikanerin musste nur das Material einsammeln, um den Sieg sicherzustellen.



Anna Zatonskih, die mit dem deutschen Meister Daniel Fridman verheiratet ist


Damit sind die Amerikanerinnen fast klammheimlich auf den zweiten Platz vorgerückt. Punktgleich folgen Ukraine, Polen und Serbien. Die deutsche Mannschaft konnte heute keinen Befreiungsschlag landen. An allen Brettern wurde gut gekämpft, doch ein 2:2 gegen Estland ist nicht das Ergebnis, das man vor eigenem Publikum erwarten darf. Aufgrund der Tatsache, dass Pähtz und Co. immer auf der Bühne agieren dürfen, kommt in der neunten Runde das Schachland Luxemburg in den Genuss auch im Mittelpunkt zu stehen.

Die größte Überraschung fand an Tisch sieben statt. Frankreich, immerhin an fünf gesetzt, kam gegen Usbekistan nicht über ein 2:2 hinaus.


Ergebnisse der achten Runde

Tabelle nach der achten Runde

Paarungen der neunten Runde


Text und Fotos: Georgios Souleidis


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