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Petaflop vs. Human

Dresden, 19/06/2008
Petaflop ist die saloppe Abkürzung für die Zahl "10 hoch 15" Floating Operations per Second, was nichts anderes bedeutet, als das Produkt einer Zahl mit 15 Nullen mal die Rechenoperationen pro Sekunde. Leicht dahergeschrieben, aber kaum fassbar. Wenn man davon ausgeht, dass sich die Rechenleistung alle elf Jahre vertausendfacht, so wie sie das bisher getan hat, stehen uns noch einige Nullen in unserer Vorstellungskraft bevor.

Am Rande der Supercomputer-Tagung, bei welcher der Star der Veranstaltung, IBMs Petaflop im Vordergrund aller Pressemitteilungen stand, sprach ich mit dem Linux-Architekten Tom Schwaller des Schacholympiaden-Co-Sponsors IBM, sowie mit dem Mitorganisator des Kongresses, Martin Meuer als Associate Director der ISC. Die ISC organisiert je einen Kongress dieser Art jährlich in Deutschland und Amerika. Im Internet gibt es unter www.top500.org eine Übersicht der schnellsten 500 Rechner dieser Welt.

Anfangs muss ich mich an den Lärm gewöhnen. Die Lüfter dieser Superteile sind SO laut, dass man kaum sein Gegenüber versteht. Eine spannende Unterhaltung scheint mir das zu werden...

Herr Schwaller, hier treffen sich die Produzenten der 500 weltweit schnellsten Rechner. Was genau bedeutet das in der Praxis?

Numerische Simulation benötigen extrem viele Rechensensoren. Es gibt viele Simulationen zu berechnen, zum Beispiel wie ein Auto schwingt, wie es sich im Strömungskanal verhält oder andere Dinge wie Erdölforschung, Atomwaffensimulation, Klimavorhersagen benötigen ausgefeilte Rechnerprognosen. Einmal im Jahr treffen sich die Hersteller hier, um sich auszutauschen. Das Treffen hier in Dresden ist super, ich liebe diesen Ort. Man ist sehr schnell in der Stadt, die Umgebung ist wunderschön, das Kongresscenter ist vorzüglich geeignet. Schade, dass es nächstes Jahr nach Hamburg geht.

Hier ist das Who is Who der Technik, haben Sie auch Spezialisten darunter, die sich mit der Stärke von Schachcomputern beschäftigen?

Das sicher auch, beim Schach kommt es aber auch stark auf die Software an.

Das mag sein, aber wenn ich so einen irrsinnig schnellen Rechner habe wie ihren, könnte man da nach der Brute force - Methode nicht einfach das Schachspiel irgendwann ausrechnen?

Sie wissen wie ich, dass es mehr mögliche Spielverläufe als Atome im Weltall gibt. Da können wir auch nicht viel ausrichten.

Gehen wir rückwärts bei der Lösung. Bei allen Sechssteinern im Schach, also die beiden Könige plus vier beliebige Schachsteine - hier hat man alles gelöst was möglich war, aber benötigte einen Speicherplatz, der die Festplatte jedes handelsüblichen Rechners auslastete. Können Sie sich vorstellen, wie groß der Speicherplatz bei 32 Steinen sein müsste?

Speicherplatz ist bei jeder Fachtagung ein sehr großes Thema, weil wir immer mehr Daten generieren. Das nimmt expotentiell zu. Die Menge an Daten, die weltweit jeden Tag produziert wird, ist kaum noch speicherbar. Stellen wir uns vor, es gäbe nur einen Computer, der das ganze Internet enthält, also alle Daten dieser virtuellen Welt, der müsste dann komplett ohne Festplatten auskommen. Denn das ist das Hauptziel und die Herausforderung, Rechner ohne Festplatten zu bauen. Wenn wir diesem Supercomputer nämlich helfen wollten, in dem wir den Speicherplatz auf 100.000 Rechner verteilen und geben jedem dieser 100.000 Rechner zwei Festplatten, dann tauschen wir nur noch den ganzen Tag Platten aus. Mit reiner Brachialgewalt kann man zwar viel erreichen, aber das ist nicht der Ansatz, nachdem hier etwas erreicht werden soll.

Ok, wir spielen jetzt das weltbeste Schachprogramm auf Ihre Hyperkiste. Reicht Ihre Rechenkraft aus, um den weltbesten Menschen zu schlagen?

Das käme auf einen Versuch an (lacht Schwaller laut)

Würden Sie heute unterschreiben, dass der Petaflop den Weltmeister schlägt?

Nein, da wäre ich grundsätzlich vorsichtig. Mit reiner Rechenkraft lässt sich das nicht beweisen. Das ist auch das, was mich immer wieder fasziniert. Menschen finden mit ihrer Intelligenz immer wieder Lücken gegen die Superrechner.

"Es gibt übrigens", wirft Meuer ein, " an der Uni Paderborn ein interessantes Projekt mit der Schachsoftware Hydra, in dem man bewiesen hat, dass es mit der reinen Rechnekraft nie zu schaffen ist. Nur in Verbindung mit intelligenter Software."

Spielen Sie auch Schach, Herr Meuer?

Ja, auch im Verein. Aber ich spiele nie gegen Computer.

Warum nicht?

Weil es eine seelenlose Maschine ist. Das macht mir keinen Spaß.

"Mir schon", sagt Schwaller.

Mir nämlich gerade deswegen, weil ich die Maschine abschalten kann und ich daran interessiert bin, wie sie auf meien Züge reagiert. Es ist die Beobachtung, die mir Spaß macht.

Wird IBM nochmal ins Schach einsteigen als Herausforderer des Menschen?

Ich glaube nicht. Wir haben Kasparow einmal besiegt, das sollte reichen. Ein interessantes Projekt wäre, die Rechner miteinander zu vernetzen, so wie es heute schon über das Internet möglich ist. Wenn Sie genügend Geld haben, können Sie versuchen, ein Netzwerk an Rechnern gegen den Menschen spielen zu lassen.

(Zwinkernd) Ach, mit Unterstützung würden Sie sich trauen?

(Vorgeblich mahnend) Das haben Sie gesagt!

Meine Herren - vielen Dank für diese interessante Unterhaltung und noch viel Spaß hier...

Das Gespräch führte Klaus Jörg Lais